Unter Musikästhetik versteht man das wahre Schöne und seine Erkenntnis
innerhalb der Musik. Der Begriff geht auf den Philosophen A.G.Baumgart
zurück, der im 18. Jahrhundert die Disziplin der Ästhetik mit dem
Erkennen des Schönen und seiner Bewertung zusammenbrachte.
Besondere Bedeutung und Wertung erhielt die Musik bereits in der Antike,
so zum Beispiel bei Orpheus, dem talentierten Leierspieler, der mit
seinem Instrument und Gesang Mensch und Natur verzauberte. Aber auch
Phytagoras, der Entdecker der Harmonielehre, bediente sich schon der
Musikästhetik, wobei er Musik zielgerecht zur Beeinflussung
unerwünschter Emotionen einsetze. Für Platon entfachte Musik das
Interesse am Schönen schlechthin, und nach Aristoteles konnte mit Hilfe
der Musik sogar Charakter und seelische Entwicklung beeinflusst werden.
Im Mittelalter wurde der Gedanke der" Musikästhetik" aufgegriffen und
weiter entwickelt, wobei es sich fast ausschließlich um die Rolle der
Musik innerhalb der Liturgie handelte, wo sie lange Zeit ausschließliche
ihre Berechtigung fand. Erst mit der Notenschrift und dem mehrstimmigem
Gesang wurden auch über Kompositionen als solche individuell
reflektiert. In der Renaissance schließlich bekam das musikalisch Schöne
zunehmend Erkennungscharakter: in einer Musik die zunehmend zur
Unterhaltung und Zerstreuung eingesetzt wurde. Eine propagierte Einheit
von Musik und Sprache wurde nun zum Ideal. Erst durch die Aufklärung
wird nun auch der musikalisch subjektive Geschmack berücksichtig, in der
Klassik und in der Romantik entsteht, unter E.T.A.Hoffmann, ein neuer
musikästhetischer Ansatz, der sich in einer Art
schwärmerisch-metaphysischen Glorifizierung der Musik ausmach. Eduard
Hanslick, ein anerkannter Musikwissenschaftler des 19. Jahrhunderts,
forderte bezüglich der Musikästhetik ein nüchternes, wissenschaftliches
Interpretieren, das sich lediglich auf die Verbindung von Ton, Melodie,
Harmonie und Takt begrenzen sollte. Friedrich Nietzsches
musikästhetische Betrachtungen bewegen sich zwischen Musik und Form,
wobei er der Betrachtung der reinen Form eindeutig den Vorzug gibt. Bis
zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigte sich die Musikästhetik mit
der Autonomie der Kunst, wobei zunehmend Natur, individuelle Erfahrungen
und gesellschaftliche Einflüsse immer mehr zum Tragen kommen.
Neue Kriterien innerhalb der Musikästhetik sind aufkommende Atonalität,
rhythmische Besonderheiten und die Neuinterpretation der musikalischen
Gattungen. Psychologie, Philosophie, aber auch Soziologie fließen in die
musikästhetischen Erkenntnisvermittlung aber auch Erkenntnisgewinnung
mit ein. So ist für T.W. Ardono die Zwöftonmusik, die Schönheit und
Harmonie außer Acht lässt, eine wahrhaftige, zeitnahe Technik, in der
die aktuelle Weltbetrachtung zum Ausdruck kommt. Mit der
Weiterentwicklung der Musik werden immer wieder neue musikästhetische
Ansätze konzipiert. Heute ist die Disziplin ein Teilgebiet der
Musikwissenschaft, wie sie an Universitäten gelehrt wird, wobei aktuell
die Universität Graz/Österreich dafür einen eigenen Fachbereich
entwickelt hat.